Achtung Bissig

Das Bildungsvolksbegehren

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Und was sich die heimische Intelligenzia dazu denkt. Von den österreichischen Billigmedien inkl. ORF ist es ja beworben worden, wie kein anderes Begehren vorher. Dem zufolge ist das Ergebnis als mager bis schwach einzustufen.

Es ist auch gleich einmal ruhig geworden in der Sache. Wie der bekannte Philosoph und bekennende Linke Konrad Paul Liessmann die Bildungsdebatte und das verunglückte Volksbegehren dazu einschätzt, zeigt folgendes Zitat:

Die Irrtümer der Bildungspharisäer (Kommentar der anderen | 11. November 2011 aus dem Pressearchiv der ÖPU)

Das Androsch-Volksbegehren als Indikator für den fortschreitenden Realitätsverlust in der Bildungsdebatte - Von Konrad Paul Liessmann

Trotzig versuchte der Proponent zu retten, was nicht mehr zu retten ist: Das soll uns erst einmal einer nachmachen! In der Tat: Für ein Anliegen, das von den Sozialpartnern mit der Industriellenvereinigung an der Spitze, von der zuständigen Ministerin, von zahlreichen Organisationen und Institutionen, von noch zahlreicheren Prominenten und von fast allen Medien des Landes lauttönend unterstützt wurde, gerade einmal 6 % der Wahlberechtigen zu mobilisieren - das muss einem erst einmal gelingen. Und sich dann noch darüber zu freuen, dass im ersten Wiener Gemeindebezirk gar 28 % unterschrieben haben, zeugt noch einmal von jenem dramatischen Realitätsverlust, der die Bildungsdebatte insgesamt kennzeichnet. Die in der Innenstadt konzentrierten Eliten, die ihre Kinder auf humanistischen Gymnasien, in teuren Privatschulen und an ausländischen Universitäten gut aufgehoben wissen, begehren für das Volk Gesamt- und Ganztagsschulen, das Ende des Sitzenbleibens und eine Lehrerausbildung, die zur endgültigen Dequalifizierung dieses Berufsstandes führen würde. Darüber hinaus berauschen sie sich an der Rhetorik der Gerechtigkeit und der Fairness, schwärmen von Integration und Inklusion und träumen von einer Schule, die alle Defizite dieser Gesellschaft ausgleichen und alle Übel dieser Welt beseitigen wird. Und natürlich sollen dabei junge Menschen genau das lernen, was die Wirtschaft brauchen wird, aber alle werden ihre Talente entfalten können, und fast alle werden einen akademischen Abschluss bekommen. Wenn die Eliten so genau wissen, was das Volk begehren soll, wird das Volk zurückhaltend. Die sozial deklassierten Schichten aus den Rand- und Arbeiterbezirken, die nach gängiger Lehre ja nach Bildung gieren sollten, haben ebenso wenig unterschrieben wie Menschen aus jenen Regionen, die mit ihren Schulen offenbar zufrieden sind


Euer Argus
04/2011